Lebenswerte Lebenswelten
   für ältere Menschen final version 20.05.06

Ein Modellprojekt im Auftrag des Fonds Gesundes Österreich
durchgeführt vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Graz
im Zeitraum von März 2003 bis März 2006


Hirschegg


Eingebettet in die Stub- und Hirscheggeralpe liegt Hirschegg. Eine Kirche, mehrere Wirtshäuser, ein Lebensmittelgeschäft und eine Volksschule bilden das Dorfzentrum von Hirschegg. Im Sommer ein Wandergebiet (Mitglied des regionalen Verbundes "Rucksackdörfer"), im Winter bekannt fürs Skifahren. Einmal pro Woche kommen Arzt und Pfarrer. Weit abgelegen von einer größeren Stadt (25 km entfernt liegt Köflach) hat sich im Tal ein eigener Dialekt entwickelt und traditionelle Werte und enge Familienstrukturen halten bis heute. Es dauert eine Zeit, bis man Zugang zu den HirscheggerInnen hat, wenn man sich versteht, ist der Kontakt jedoch ein sehr herzlicher.

Der Lebenserwerb der meisten BewohnerInnen in der Land- und Forstwirtschaft lässt sich durch die steilen Hänge und Almen nur sehr mühsam erkämpfen. Auch der Wintertourismus, der Hirschegg neben seiner ruhigen idyllischen Lage bekannt machte, hat seinen Höhepunkt wohl schon überschritten. Allerdings forciert man Kooperationen mit Schulen und Gemeinden. Arbeitsplätze für die Jungen sind kaum vorhanden.

Der Bürgermeister ist Neuem gegenüber aufgeschlossen und am Wohlbefinden "seiner" Bevölkerung interessiert. 15,7% der Bevölkerung ist zwischen 60 – 75 Jahren. Zwischen Frühjahr und Herbst sind die HirscheggerInnen intensiv in der Natur beschäftigt, Zeit und Bereitschaft für soziale, gesundheitliche Aktivitäten finden die 776 EinwohnerInnen am ehesten im Winter. Aber auch der Bedarf an einer Erhöhung des subjekten und objektiven Wohlbefindens - im besonderen der Frauen - ist laut Kohortenstudie gegeben.

 

Projekte und Aktivitäten

Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Studie im Gemeinderat und in der Öffentlichkeit sowie Kontakte mit Schlüsselpersonen lautete die zentrale Frage in Hirschegg, wie es möglich wäre, Leute ab 60 überhaupt zusammenzubringen und zur Teilnahme an (regelmäßigeren) Treffen zu motivieren. Dass das Interesse am Gesundheitsprojekt für Ältere durchaus groß war, zeigte sich schon am Anfang, als mehr als 30 Personen zur öffentlichen Präsentation der Befragungsergebnisse kamen.

"Gute Impulse für das Älterwerden"

Diese dreiteilige vierzehntägige Serie begann im Mai 2004. Eine erfahrene Gedächtnistrainierin - Johanna Thönessen (Mayer) - erstellte ein Programm mit bereits oft erprobten Übungen. Themen waren - sich einmal was gönnen, sich Zeit für sich nehmen, sich mit anderen austauschen. Anfangs nahmen knapp 20 Personen teil, dann 12 und letztlich nur mehr 8 Personen. Es erwies sich, das selbst Zugänge, die sich oft bewährt hatten, für die Leute vor Ort nicht passten. Es waren die Kleinigkeiten, die diesen Zugang nicht als den richtigen scheinen ließen - z.B. dass die Bevölkerung - oft Bergbauern, die ihr Leben lang harte Arbeit gewöhnt sind, sich kaum mehr als eine Viertel oder eine halbe Stunde niedersetzen und es auch nicht gewöhnt sind, sich reflektierend und explizit mit sich selbst zu beschäftigen.

Welcher Zugang könnte also besser gelingen?

Z´sam_kem in Hirschegg

Nach Konsultationen mit dem Bürgermeister und einer Seniorentanzleiterin aus der Gemeinde, die Vergleiche mit anderen Gemeinden hat, entschied man sich für ein Thema, das die Bevölkerung am ehesten interessieren würden - nämlich Kräuter und Hausmittel. Alle drei Wochen sollten Treffen stattfinden - vor allem zwischen Oktober und April, denn in der Sommerzeit ist die Bevölkerung - einschließlich der Älteren - in der Landwirtschaft tätig. Vierzehntägig schien zu öft, monatlich zu gering.

Ein Programm mit 5 Themenschwerpunkten zu Kräutern, zwei Bewegungseinheiten, einem Nachmittag zu alten Bräuchen sowie eine Exkursion zu einem Kräuterbauernhof wurde erstellt. Im Sommer sollte ein Ausflug zur Überbrückung der langen Treffpunktpause dienen.

Ein Bonusabschnitt in der Ankündigungsbroschüre sollte zur regelmäßigen Teilnahme ermuntern. Pro Nachmittag zahlten die TeilnehmerInnen 1 €, erhielten einen Bonuspunkt und erwirtschafteten sich dadurch Kostenvergünstigungen bei der Teilnahme am Ausflug. Das Bonuspunkteheft wurde mit großer Ernsthaftigkeit und Freude angenommen.

Die Bewerbung des damit neu geplanten Treffpunkts "Z´sam_Kem in Hirschegg" erfolgte durch Ankündigung bei der Seniorenadventfeier, eine Aussendung an alle Haushalte und jeweils rechtzeitige Ankündigungen im monatlichen Pfarrblatt, in der Kirche sowie durch Plakate an Gemeinde und Gasthaus. Das Wichtigste Werbemittel war allerdings immer die Mundpropaganda und das konkrete Ansprechen.

Siehe Programm in der Broschüre!

An den Kräutervorträgen nahmen zwischen 8 und 17 TeilnehmerInnen teil, an der Exkursion zum 5-Sinne-Lehrpfad in Hirschegg 13 Personen, an den Bewegungsnachmittagen zwischen 10 - 12 Personen und am Erzählnachmittag über alte Bräuche 26 TeilnehmerInnen. Wenn sich auch die zeitlichen Abstände von drei Wochen als etwas problematisch herausstellten, weil man dann jeweils den genauen Termin wissen musste, sprach sich die Idee und die Philosophie von "Z´sam_Kem in Hirschegg" rasch herum - das soziale Anliegen und der Zusammenhang zwischen Wohlfühlen und Gesundheit wurde von vielen verstanden und begrüßt. Die regelmäßige Teilnahme der Projektleiterin ermöglichste Korrekturen und ein Eingreifen an heiklen Punkten.

Wandern und Ausflug

Besonders verbindend und für das Projekt werbend waren auch die Wanderungen - zunächst zum Radiomuseum in Hirschegg, dann die Teilnahme an der Regionalwanderung in Gößnitz (25 TeilnehmerInnen) und der ganztägige Ausflug im Sommer nach St. Martin/Grimming (35 TeilnehmerInnen). Gemeinde oder Projekt bezahlten und organisierten einen Bus, für die TeilnehmerInnen war die Teilnahme immer sehr kostengünstig, ein nicht unwesentlicher Faktor in einer ökonomisch schwachen Region. Gehen ist für die Leute etwas sehr zentrales, miteinander gehen eine wohltuende Abwechslung, vor allem dann, wenn auch miteinander gegessen und gesungen wird.

Intergeneratives Projekt "Wia´s friara war - rund um Weihnachten"

An das große Interesse über die Bräuche und frühere Zeiten anknüpfend, versuchte man im Herbst 05 die Entwicklung eines intergenerativen Projektes mit der Bevölkerung. Ein Gespräch mit den Volksschullehrerinnen führte zu einem dreiteiligen Ansatz - Erfahrungen von Älteren über Weihnachten in ihrer Kindheit sollten gesammelt werden, SeniorInnen gewonnen werden, den Volksschulkindern davon zu berichten, ein intergenerativer Aktivitätstag in der Schule stattfinden und danach das Projekt öffentlich präsentiert und in Form einer Broschüre bewahrt werden.

Der Erzählnachmittag Anfang November 05 wurde zum regen Austausch an Erinnerungen (17 TeilnehmerInnen), 5 Personen erklärten sich bereit in die Schule zum Erzählen zu kommen und 5 Personen nehmen am Aktivitätstag mit den Kindern teil - dort wird Schokolade gegossen, ein Brief ans Christkind in Kurrent geschrieben, ausgeräuchert, Weihnachtsschmuck gebastelt usw.

Der regelmäßige Seniorentreffpunkt "Z´sam_kem" konnte sich in Hirschegg nicht langfristig installieren, aber durch ein intensiveres Bewusstsein um diese Altersgruppe in der Bevölkerung und ein Verständnis der Gemeindevertretung, wie wichtig dieses soziale Zusammenkommen (Z´sam_Kem) ist die Chance real, dass immer wieder aktivierende Angebote in der Gemeinde stattfinden werden.

 

März 2006
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
15.03.06 Kreuzwirt 14:00
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Abschlussfeier Projekt Lebenswerte Lebenswelten frei
Dezember 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
13.12.05 Volkschule 09:00
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Intergeneratives Arbeiten zur Weihnachtszeit
02.12.05 Volkschule 09:00
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Intergeneratives Projekt "Ältere erzählen von Weihnachten"
November 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
17.11.05 Kreuzwirt 14:00
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Erzählnachmittag "Weihnachten wia's friara war"
August 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
31.08.05 Gemeindeamt 06:00
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21:00
Exkursion zum Kräuterbauernhof in St. Martin am Grimming Punktesystem
Juli 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
04.07.05 Gemeindeamt 14:00
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Wanderung zum 5-Sinne-Pfad und Kräutervortrag gefördert, € 5
April 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
25.04.05 Kreuzwirt 14:30
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Gegen Kreuzweh und Inkontinenz: Wirbelsäulengymnastik und Beckenbodentraining zum Selberhelfen mit Elfrida Rath gefördert, € 1
04.04.05 Kreuzwirt 14:30
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Seniorentreffpunkt "Zsamm-Kem": Unkräuter im Kochtopf mit Gabriele Skledar gefördert, € 1
März 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
14.03.05 Kreuzwirt 14:30
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Seniorentreffpunkt "Zsamm-Kem": "Wie es früher einmal war": Wir erzählen uns alte Bräuche und Gewohnheiten gefördert, € 1
Februar 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
21.02.05 Spengerwirt 14:30
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Seniorentreffpunkt "Zsamm-Kem": Faschingsfeier und Tanzparty mit Musik gemeinsam mit dem Seniorenbund gefördert, € 1
Jänner 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
31.01.05 Kreuzwirt 14:30
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Seniorentreffpunkt "Zsamm-Kem": "Schlaf gut"- Tee, Wickel und wohlige Bäder gegen Wintermüdigkeit, Depression und Verkühlung mit Gabriele Skledar gefördert, € 1
10.01.05 Kreuzwirt 14:30
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Seniorentreffpunkt "Zsamm-Kem": Weniger schnäuzen- eine Stärkung im Winter: Richtige Hausmittel und Heiltees für das Immunsystem mit Gabriele Skledar gefördert, € 1
Dezember 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
06.12.04 Kreuzwirt 14:30
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Bewegung im Winter: Kleine Tipps zur Kreislaufbelebung, Fußsohlen und Fingergymnastik mit Elfrida Rath gefördert
November 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
15.11.04 Kreuzwirt 14:30
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Seniorentreffpunkt "Zsamm-Kem": Kräuter zum Salben kochen aus Garten , Wiese und Feld mit Gabriele Skledar gefördert, € 1
September 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
01.09.04 Altes Almhaus 11:00
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Wanderung zur Zapfl- und Großebenhütte & Hüttenspaß frei
Mai 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
17.05.04 Kreuzwirt 14:30
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16:30
Johanna Mayer: Gute Impulse für das ÄlterWerden gefördert, € 2
06.05.04 Hirschegg 14:00
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Wanderung zum Radiomuseum und Jause frei
06.05.04 Kreuzwirt 14:30
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16:30
Johanna Mayer: Gute Impulse für das ÄlterWerden gefördert, € 2
April 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
15.04.04 Kreuzwirt 14:30
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16:30
Johanna Mayer: Gute Impulse für das ÄlterWerden gefördert, € 2
01.04.04 Gemeindesaal 14:30
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16:30
Gut Hören im Alter - ist das möglich? frei
März 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
22.03.04 Kreuzwirt 14:00
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Ergebnispräsentation der Befragung älterer Menschen in Hirschegg frei