Lebenswerte Lebenswelten
   für ältere Menschen final version 20.05.06

Ein Modellprojekt im Auftrag des Fonds Gesundes Österreich
durchgeführt vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Graz
im Zeitraum von März 2003 bis März 2006


Edelschrott


Aus 793 m Höhe blickt man vom idyllisch gelegenen Ort Edelschrott hinunter ins weststeirische Kainachtal. Mit 65,9 km² ist es nun eine der größten Gemeinden der Steiermark und die Entfernungen zwischen den Ortsteilen betragen bis zu 12 km. Der Ort setzt sich aus vier, ehemalig getrennten Ortsteilen zusammen: Edelschrott Dorf, Herzogberg, Kreuzberg und Wöllmiss. Land- und Forstwirtschaft ist wichtig, es pendeln jedoch auch viele zur Arbeit nach Graz oder in die Städte im Bezirk.

Seit Jahren ist ein Abwanderungstrend festzustellen. 2001 betrug die Einwohnerzahl 1735, 2003 lag sie bei 1692 Einwohner. Der Anteil der Personen zwischen 60 – 75 Jahren beträgt 16,5 Prozent. Die Älteren sind meist in Familienstrukturen integriert - andererseits schotten sich einige sehr ab - manchmal erschweren jahrzehntelange Vorurteile oder Konflikte ein gemeinsames Ortsgefühl. Es gibt noch Volks- und Hauptschule, ein Lebensmittelgeschäft, ein Postamt, eine Bank, mehrere Gasthäuser und Cafés sowie einen praktischen Arzt.

Seit 6 Jahren beteiligt sich Edelschrott auch am "Gesunde Gemeinde"- Programm, die hohe Motivation und der große Schwung für die Gesundheitsförderung ist aber etwas verloren gegangen. Auch bestehende Kooperationen mit den Nachbargemeinden wurden auf verschiedenen Ebenen reduziert. Nur wenige Einzelpersonen sind an aktiver Gesundheitsförderung interessiert und die Bevölkerung 50 plus ist, wenn, dann über Einzelansprachen durch Einheimische am besten für Aktivitäten zu gewinnen.

Projektansätze:

Vernetzung der bestehenden Aktivitäten

Man kennt sich in Edelschrott oft seit Geburt an, trotzdem schwingt manchmal eine gewisses Mißtrauen oder eine Skepsis gegenüber aktiveren Leuten mit. Wirkliches Vertrauen gibt es meist nur gegenüber Familienmitgliedern. In Edelschrott gibt es viele Vereine und Aktivitäten, Kooperationen und Vernetzung sind aber eher personengebunden und zufällig. Nur einige kooperieren systematisch. Ziel des Projektes war es damit auch, ein besseres Netzwerk zwischen Vereinen zu schaffen, damit die Anliegen Älterer in den einzelnen Vereinen verankert sind. Auch die schon lange aktiven und engagierten Personen der Gesunden Gemeinde versuchen diesen Ansatz immer wieder - bisher und auch im Projekt ist eine systematische gegenseitige Unterstützung nicht gelungen und die Vernetzung entwickelt sich nur sehr langsam. Großes Engagement seitens der Gemeindevertretung zur Stärkung von Sozialkapitals scheint es auch nicht zu geben.

Schlüsselpersonen aus dem Gemeinderat und mehreren Vereinen waren die ersten Ansprechpartner, das Interesse am aktiven Mitgestalten des Projektes nur bei den Gesunde-Gemeinde-AktivitstInnen und zwei GemeinderätInnen gegeben. Bewegungsangebote, Vorträge zur Ernährung oder medizinischen Themen hat es schon genug gegeben, aus der Befragung der Schlüsselpersonen und den Interviews von 59 BewohnerInnen in der Kohortenstudie konnte man ableiten, dass die Verstärkung der Sozialbeziehungen ein Schwerpunkt im Projekt in Edelschrott sein müßte. Sowohl die objektiven Gesundheitsdaten als auch die subjektive Wahrnehmung über den eigenen Gesundheitszustand bedürfte einer Ausweitung der Public Health Aktivitäten. Die schwierige Frage der Gesundheitsförderung stellt sich in Edelschrott besonders stark - wie erreicht man insbesonders jene Personen, die bisher nicht erreichbar oder motiverbar waren und sind. Welche Zugänge sind erfolgreich?

Bei drei Netzwerktreffen zwischen 2004 und 2005 setzten sich jeweils zirka 10 VertreterInnen aus Gemeinde, einigen Vereinen und Seniorengruppen mit der Edelschrotter Situation auseinander. Zunächst nahmen nur Personen teil, die schon im Projekt integriert waren, erst beim zweiten und dritten Mal gelang es, jeweils ein bis zwei neue Personen (z.B. Obmann von Feuerwehr, Blasmusik, Kameradschaftsbund) anzusprechen und zu interessieren. Nach vielen Diskussionen um den Zugang zur Gesundheit sicherte man sich Intensivere gegenseitige Bewerbung von Aktivitäten und Patenschaften bei Gesundheitsveranstaltungen zu. Auch ein neuerliches Netzwerktreffen im März 2006 wurde vereinbart.

Aktivitäten und Angebote

Im Februar 2004 wurden die Ergebnisse der Befragung öffentlich präsentiert und mit einigen VereinsvertreterInnen diskutiert. Wie konnte man z.B. die Frauen gewinnen, die (mit über einem Drittel) über Niedergeschlagenheit und Depression klagten? Wie die sozialen Kontakte verstärken?

Eines der ersten Wünsche seitens zweier GemeindevertreterInnen war ein organisiertes informelles Treffen.

Um die Frauen zu erreichen begann man mit einem "Kaffeekränzchen rund um den Muttertag" im Mai 2004. Am Aufbau von regelmäßigen Treffpunkten zeigte niemand Interesse. Im Ort gab und gibt es keine offiziellen, soziale Feiern wie Seniorenweihnachtsfeier oder ähnliches. Weil es wie eine offizielle Muttertagsfeier wirkte, nahmen mehr als dreißig Frauen an diesem recht einfach organisierten Nachmittag teil. Sie lernten sich über lockere "Aufstellungen" zu Themen ihres Lebens etwas intensiver kennen und freuten sich über das Zusammentreffen mit anderen Edelschrotterinnen. Trotz der Versuche, den Bürgermeister oder Leute zu gewinnen, diese Art der Treffen als Chance zu sehen, gelang es nicht, das erneut zu organisieren oder gar zu institutionalisieren.

So ging es zunächst um die Frage - was interessiert Frauen sonst noch? Viele nannten "Handarbeiten" als gern gemachte Freizeitbeschäftigung. Längere Zeit hatte eine Handarbeitsgruppe bestanden, die sich aber nicht mehr traf. So entschied man sich für die Ausschreibung des Kurses "Teddybären selbst gestalten" unter der Anleitung von Brunhilde Herrnstein, einer Seniorin aus dem Nachbarort. Die Ausschreibung erfolgte über die Gemeindezeitung, auf Grund einer Zeitverzögerung der Zeitung erreichte die Ankündigung erst einen Tag vor Kursbeginn die Edelschrotterinnen. So verwundert es nicht, dass sich nur fünf Teilnehmerinnen an diesem dreiteiligen Kurs im Mai 05 einfanden. Die Frauen hatten zwar einzeln große Freude an den Treffen und am Nähen. Die Erfolgserlebnisse über die wunderschönen Teddybären führte aufgrund der geringen TeilnehmerInnenzahl aber nicht zu mehr Vernetzung. Handarbeiten war ebenfalls kein Thema, das die Frauen in Edelschrott längerfristig zu mehr gemeinsame Treffen motivieren konnte.

Auch Kreativkurse, Kochkurse, Sprachkurse, Computerkurse, gemeinsames Singen oder ähnliches wurde von Schlüsselpersonen als nicht vielversprechend in Edelschrott bewertet.

Wanderungen

Auch diese wurden als möglicher Zugang genannt. Da sich keine Wanderung in Edelschrott organisieren ließ, nutzte man die Chance des Projekt gemeindeübergreifende Angebote zu machen. Zur Wanderung in Gö ßnitz wurden auch EdelschrotterInnen eingeladen. Gößnitz deshalb, weil es früher regen Austausch zwischen Edelschrott und Gößnitz gegeben hatte und sich viele aus alten Zeiten kannten. Neben die Gemeindezeitung erfolgte der Versuch der Aktivierung durch eine Telefonkette von Kontaktpersonen in den Kleinregionen von Edelschrott. 12 Personen wanderten am 29. Juni 04 zur Schatteisnerhötte mit, auch nicht viele, doch diese genossen den Tag und das überregionale Zusammentreffen sehr. Sie motivierten für die nächste gemeinsame Almwanderung am 1. September 2004 weitere Personen zur Teilnahme. An der Regionalwanderung ein Jahr später in St. Martin nahm aber trotz öffentlicher Bewerbung auf mehreren Ebenen wieder nur "der harte Kern" von 10 Personen teil.

Kegelturniere Edelschrott gegen Gößnitz  am 12. November 2004

Die Verbindung zwischen den BewohnerInnen von Edelschrott und Gößnitz konnte über das Projekt erneuert und intensiviert werden. Die Idee gegeneinander und miteinander zu kegeln entstand nach den Wanderungen des Gesundheitsprojektes und Ziel war das Miteinander Tun. Ernst genommen wurde das Kegelturnier schon, aber tierisch ernst war´s nicht - der gemeinsame Spaß an der Sache stand im Vordergrund. Damit es zu keinen Muskelverletzungen kommt, wurde  unter Anleitung eines Seniors vor Beginn aufgewärmt. Ausserdem gab es auch noch gute Tipps für´s richtige Bücken. Christbaum-Scheiben, Zusammenzählen, eine Herrenrunde - es gab mehrere Varianten, die ausprobiert wurden und neben dem sportlichen Eifer blieb auch für´s  Kennenlernen und Witze erzählen noch Zeit.

Jeder Ort übernahm für jeweils einen Nachmittag die Patenschaft, was u.a. bedeutete, sich alternative Preise für die GewinnerInnen zu überlegen. Selbstgebackenes Brot und selbstgemachte Butter aus Edelschrott sowie kleine Honiggläschen und selbstgebackene Weckerl aus Gößnitz erfreuten alle TeilnehmerInnen. Gewonnen hat jedeR - neben den kleinen Köstlichlichkeiten ein bisschen an Fitness, neue Kontakte und ein durch Lachen trainiertes Immunsystem.

Vortrag"Hören heißt dazugeHören"  inkl. Hörtest

Dieser Vortrag zum Tabuthema Schwerhörigkeit des Obmannes des österreichischen Schwerhörigenbundes lockte am 29. Oktober 2004 25 interessierte ZuhörerInnen  in das Edelschrotter Musikheim. Ansatz war es, nicht nur den Hörverlust zu thematisieren und Tipps für Hörgeräte zu geben, sondern die positiven und wichtigen Seiten des Hörens hervorzuheben. Nach dem Beantworten zahlreicher Fragen nützten beinahe alle TeilnehmerInnen die Möglichkeit zu einem kostenlosen Hörtest mit einer kurzen Beratung.

Vortrag "Kräuter und alte Hausmittel", Kräutergarten

In Edelschrott gibt, bzw. gab es zirka zehn AktivitstInnen, die fünf Jahren lang einen Kräutergarten bewirtschaften und selbst viel Wissen zum Thema haben. Deshalb war es umso erfreulicher, dass fast 30 Personen sich 2004 für Kräutervortrag interessierten, den eine 75 jährige Bewohnerin der Region (Aloisia Buchegger) hielt. Es zeigte sich, dass der Transfer von altem Wissen durchaus noch erwünscht und notwendig war. Eine weitere Veranstaltung im Frühjahr 05 sollte neben dem theoretischen Wissen hinaus auf Feld und Wiese führen, doch leider zogen sich alle bisherigen KräutergartenbetreuerInnen aus der wöchentlichen und aufwendigen ARbeit zurück und gaben den Kräutergarten auf. Mehrer Treffen nach dem überraschenden Rückzug seitens der Gesunden GEmeinde und Lebenswerte Lebenswelten zur Rettung des Kräutergartens führten dazu, dass einige Personen noch zirka ein halbes Jahr mitarbeiteten. Es reichte jedoch nicht, um den Kräutergarten aufrecht zu erhalten. Verloren ging und geht damit nicht nur die Kräuterproduktion für den Ort, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. Nur mehr eine private Minimalvariante wird eher privat weitergeführt.

 

 

März 2006
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
08.03.06 Musiksaal 19:30
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Lebenswerte Lebenswelten - ein Projekt geht zu Ende frei
Jänner 2006
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
31.01.06 -
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Basteln für Großeltern und Enkerln (vierzehntägig)
17.01.06 -
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Basteln für Großeltern und Enkerln (vierzehntägig) frei
September 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
28.09.05 Gemeindeamt 19:00
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2. Vernetzungstreffen frei
Mai 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
18.05.05 Gemeindeamt 10:00
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11:30
1. Austausch und Vernetzungstreffen frei
02.05.05 Kräutergarten hinter Gasthaus Reinisch 08:30
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Kräuterrunde; ( ev. auch Pflege des Kräutergartens) frei
02.05.05 Musikheim 14.00
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Kräuter und alte Hausmittel aus unserer Region, Vortrag mit Aloisia Buchegger frei
Jänner 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
14.01.05 Stiegenwirt 13:30
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Alles rund um das Hören: Vortrag und kostenloser Hörtest von Hans Neuhold frei
November 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
12.11.04 Gasthaus Trummer 14:00
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Seniorenkegelturnier   Gößnitz : Edelschrott
Oktober 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
29.10.04 Musikheim 15:00
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Alles rund um das Hören: Vortrag und kostenloser Hörtest frei
08.10.04 Stiegenwirt 13:30
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Präsentation des Projektes Lebenswerte Lebenswelten und Interessenabklärung
Mai 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
11.05.04 Musikheim 14:00
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17:00
Kaffeekränzchen rund um den Muttertag, frei
August 2005
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
20.08.05 Musikheim 08:30
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Brunhilde Herrnstein: Teddybären selbst gestalten gefördert, € 5
April 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
01.04.04 Musikheim 14:00
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Brunhilde Herrnstein: Teddybären selbst gestalten gefördert, € 5
März 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
25.03.04 Musikheim 14:00
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Brunhilde Herrnstein: Teddybären selbst gestalten gefördert, € 5
Februar 2004
Datum Ort Zeit Inhalt Eintritt
18.02.04 Musikheim 19:30
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Ergebnispräsentation der Befragung älterer Menschen in Edelschrott frei