Lebenswerte Lebenswelten
   für ältere Menschen final version 20.05.06

Ein Modellprojekt im Auftrag des Fonds Gesundes Österreich
durchgeführt vom Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Graz
im Zeitraum von März 2003 bis März 2006


Zusammenfassung und Schlussfolgerungen


Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von 1400  60-74 Jährigen  in den 13 Projektgemeinden im Sommer 03

Soziodemografische, sozioökologische und sozioökonomische Gesundheitschancen

Wie in verschiedenen internationalen Studien bestätigt, ist das familiale Netz für die Lebensqualität älterer  und alter  Menschen von großer Bedeutung. Die Mehrheit unserer befragten Personen sind verheiratet. Die Gruppe der verheirateten Männer ist dabei jedoch mit über 80% wesentlich höher als die der Frauen (rund 60%). Frauen unserer Altersgruppe sind naturgemäß deutlich häufiger verwitwet. Ledige oder geschiedene Personen sind in dieser Generation nur selten zu finden.

Die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen verdeutlicht auch, dass mehrheitlich Frauen (ein Fünftel), alleine leben. Knapp die Hälfte der Befragten aus beiden Bezirken leben mit den PartnerInnen zusammen und ein gutes Fünftel lebt noch in Haushalten mit bis zu vier Personen, sowie rund 10% mit bis zu sechs Personen im Haus. Neben dem Partner bzw. der Partnerin leben am häufigsten Kinder im gemeinsamen Haushalt. Gerade intergenerationale Beziehungen sind für die Gesundheit und das Wohlbefinden älterer Menschen von hoher Bedeutung, auch wenn die Interaktion zwischen den Eltern und ihren erwachsenen Kindern nicht allein durch Solidarität, sondern auch durch Konflikte gekennzeichnet sein können. Knapp die Hälfte der Befragten hat zwei Kinder, im Raum Graz Umgebung haben ein Viertel und im Bezirk Voitsberg ein Fünftel der Befragten drei Kinder. Keine Kinder zu haben trifft in dieser Generation eher selten zu. Es zeigt sich, dass die meisten älteren Menschen in ein verlässliches Netz eingebunden sind. Eine Ausnahme bilden jedoch, wie oben schon erwähnt, ein knappes Fünftel der Frauen beider Bezirke, die alleine leben. Bei einem guten Drittel der Befragten leben die Kinder im gemeinsamen Haushalt und Enkelkinder sind vermehrt in Haushalten der Befragten des Bezirkes Voitsberg zu finden.

Knapp 60% aller Befragten haben auch Haus- oder Hoftiere, davon haben rund ein Drittel Hoftiere zu versorgen.

Die sozioökonomischen Gesundheitschancen, wie Schulbildung, berufliche Position, Einkommen und Sicherstellung des Lebensunterhalts sowie die subjektive wirtschaftliche Lage, weisen große Unterschiede zwischen den Geschlechtern aber auch den beiden Bezirken auf.

Bildungsmäßig zeichnen sich Männer, vor allem jene aus dem Bezirk Graz Umgebung, durch eine deutlich bessere Schulbildung als die übrigen Befragten aus.  Neben knapp der Hälfte der befragten Männer, die einen Pflichtschulabschluss haben, haben ein Drittel eine abgeschlossene Lehre vorzuweisen. Doppelt so viele Männer (8%) des Bezirkes Graz Umgebung haben im Vergleich zu den Männern des Bezirkes Voitsberg eine allgemein- oder berufsbildende höhere Schule besucht. Auf einen Universitätsabschluss können 7% der Männer aus Graz Umgebung und 3% der Männer aus dem Voitsberger Raum verweisen. Über zwei Drittel der befragten Frauen haben als höchsten Bildungsabschluss nur die Pflichtschule, das entspricht jedoch dem allgemeinen Bildungsstatus von Frauen dieser Generation. Rund ein Viertel der Frauen können auf einen Lehrabschluss oder Fachschulabschluss verweisen. Höhere Bildungsabschlüsse bei Frauen sind selten, jedoch im Bezirk Graz Umgebung deutlich häufiger als im Bezirk Voitsberg.

Erwerbstätigkeit spielt im Leben unserer Zielgruppe praktisch keine Rolle mehr, bis auf sehr wenige sind alle SeniorInnen pensioniert. Aufgrund ihrer Bildung hatten die Männer aus dem Bezirk Graz Umgebung auch am häufigsten höherqualifizierte berufliche Positionen inne bzw. stehen zu 7% noch am häufigsten im Berufsleben und stellen daher auch die Gruppe mit dem höchsten Pro Kopf Einkommen dar. Männer des Bezirkes Voitsberg haben insgesamt einen niedrigeren sozioökonomischen Status als Männer aus Graz Umgebung.

Eine Benachteiligung hinsichtlich der beruflichen Position, des Einkommens sowie der subjektiven wirtschaftlichen Lage besteht generell bei den Frauen und im Besonderen bei den Frauen des Bezirkes Voitsberg. Frauen des Bezirkes Voitsberg sind zu gut einem Drittel Hausfrauen, ein Viertel ist oder war als Landwirtin tätig. Sie weisen insgesamt das geringste Pro Kopf Einkommen auf, sind am wenigsten mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden und fühlen sich daher am häufigsten gegenüber anderen finanziell benachteiligt. Aufgrund ihrer beruflichen Situation sind diese Frauen auch am häufigsten (30%) von ihren Partnern finanziell abhängig, sowie beziehen am häufigsten (knapp ein Fünftel) eine Witwenpension.

Mit ihrer Wohnqualität, die zur Grund-voraussetzung eines gesundheitlichen Wohlbefindens zählt, sind eine große Mehrheit der befragten Männer und Frauen zufrieden. Schlechte oder gar sehr schlechte Wohnverhältnisse wurden so gut wie nicht genannt. Bei rund der Hälfte der Befragten wäre es möglich die Wohnung im Bedarfsfall behindertengerecht zu adaptieren.

Gesundheitliche Lebensqualität

Während bei den Befragten des Bezirkes Graz Umgebung rund 60% ihren Gesundheitszustand als sehr gut bis gut einschätzen, sind es im Bezirk Voitsberg nicht einmal die Hälfte der Befragten. Frauen des Bezirkes Voitsberg haben am häufigsten einen schlechten bis sehr schlechten Gesundheitszustand. Ein Viertel dieser Gruppe berichtet auch, dass ihr Gesundheitszustand gegenüber dem letzten Jahr schlechter geworden ist. Mehrheitlich blieb der Gesundheitszustand jedoch gegenüber dem vergangenen Jahr unverändert und verbesserte sich sogar bei 13% bis 20% der Befragten. Die Erwartungen, wie sich der Gesundheitszustand in Zukunft verändern wird, liegen durchaus im positiven Bereich, drei Viertel der Befragten aus Graz Umgebung meinen, dass er weitgehend unverändert bleiben wird und rund 12% erwarten sogar eine Verbesserung. Interessanterweise erwarten sich ein Fünftel der Frauen aus dem Bezirk Voitsberg ebenfalls eine Verbesserung, rund 67% der aus dem Raum Voitsberg Befragten glauben, dass sich nichts verändern wird und rund 15% rechnen mit einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes.

Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich bei beiden Geschlechtern und in beiden Bezirken der Gesundheitszustand.

Eindeutig korreliert der Gesundheitszustand auch mit sozioökonomischen und sozialen Determinanten. Mit zunehmend besserer Ausbildung, höherem Einkommen auch subjektiv besserer finanzieller Lage und größerem informellen sozialen Netz steigt die subjektive Gesundheit kontinuierlich an. Wesentlich ist vor allem, dass die jeweils untersten Bildungs- und Einkommensgruppen sowie die subjektiv stark Benachteiligten ihre Gesundheit im Verhältnis besonders schlecht beurteilen. Diese Tatsache trifft am häufigsten auf Frauen aus dem Bezirk Voitsberg zu. Auch häufige Belastung führen zu schlechterer Gesundheit, wobei Männer beider Bezirke trotz gleich häufiger Belastungen sich gesundheitlich besser fühlen als Frauen.

Die Beschwerdehäufigkeit spiegelt die subjektive Einschätzung der Gesundheit wieder. Befragte aus dem Raum Voitsberg berichteten häufiger von gesundheitlichen Beschwerden als jene aus dem Raum Graz Umgebung.  Die durchschnittliche Beschwerdeanzahl nimmt mit steigendem Lebens-alter zu und ist bei den Frauen höher als bei den Männern. Besonders häufig sind Beschwerden des Bewegungsapparates, die Betroffene auch sehr häufig beeinträchtigen, sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden, die vermehrt bei den Frauen auftreten und ebenfalls häufig zu Einschränkungen führen.

Von Schlafstörungen und Müdigkeit unter Tags berichteten rund ein Drittel der Männer, 35% bis 43% der Frauen aus dem Bezirk Graz Umgebung. Am häufigsten leiden Frauen des Bezirkes Voitsberg (45%-56%) unter Schlafstörungen und Müdigkeit. Knapp 90% aller Betroffenen fühlen sich durch diese Beschwerden auch beeinträchtigt.

Konzentrationsstörungen treten bei rund 40% der Befragten auf, führen aber in den meisten Fällen nur zu geringer oder gar keiner Beeinträchtigung.

Niedergeschlagenheit und Depressionen sowie Angst und Furcht betreffen am häufigsten wieder Frauen aus dem Raum Voitsberg. Ein knappes Drittel jener Frauen leidet darunter und fühlt sich auch mehrheitlich ein wenig bis mittelmäßig eingeschränkt.

Magen- und Darmstörungen führen bei Betroffenen zu stärkerer Beeinträchtigung, rund ein Viertel der Frauen leiden gegenüber 15% bis 20% der Männer darunter.

Stoffwechselbeschwerden wurden am seltensten genannt, 13%  bis 17% der Befragten nannten diese Beschwerden, fühlen sich dadurch jedoch überhaupt nicht bzw. nur ein wenig eingeschränkt.

Im Gegensatz zu den anderen genannten Beschwerden leiden vor allem Männer an Unfall- oder Krankheitsfolgen, ein knappes Drittel der Männer aus Graz Umgebung und zwei Fünftel der Männer aus dem Voitsberger Raum sind davon betroffen und dadurch auch mehrheitlich mittelmäßig bis stark beeinträchtigt.

Wie viele Befragte leben mit Behinderungen und Einschränkungen in ihren alltäglichen Aktivitäten? 90% der Frauen und über 80% der Männer leiden an Sehbehinderungen, die jedoch in den meisten Fällen gut kompensiert werden können und kaum zu Beeinträchtigungen führen. Anders hingegen sieht es mit den Hörbehinderungen aus, sie treffen massiv häufiger Männer (42%) als Frauen (rund 25%) und führen bei über drei Viertel der betroffenen Männer und Frauen zu Beeinträchtigungen. Beschwerden mit den Zähnen oder dem Gebiss treten seltener auf. Durchschnittlich sind 16% der Befragten davon betroffen und fühlen sich dadurch mittelmäßig bis ein wenig eingeschränkt.

In welchen Bereichen fühlen sich die Befragten nun durch ihre Beschwerden oder Behinderungen besonderes eingeschränkt? Knapp die Hälfte ist in der Verrichtung der alltäglichen Dinge und ihren körperlichen Funktionen eingeschränkt. In ihrer Stimmungslage und ihren Gefühlen sind Frauen häufiger als Männer beeinträchtigt und hier vor allem die Frauen des Bezirkes Voitsberg, die auch am häufigsten unter Depressionen, Angst und Furcht leiden. Das selbe trifft auch für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu. Befragte aus dem Raum Voitsberg und hier wiederum verstärkt die Frauen, können nicht uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben partizipieren.

Keine gesundheitlichen Probleme haben 15% der Männer aus Graz Umgebung und rund 11% der übrigen Befragten.

Lebensverlauf - Lebensgestaltung - Lebensstil

Die geschlechts- und bezirksspezifischen Unterschiede im Gesundheitsstatus kommen in der Inanspruchnahme des Versorgungssystems nicht  zum Ausdruck. Professionelle Hilfe, wie Hausarzt/-ärztin, Facharzt/-ärztin, Krankenhäuser, Beratungsstellen und mobile Dienste  werden insgesamt nur selten in Anspruch genommen. Rund 90% suchten selten einen Hausarzt/-ärztin auf, rund drei Viertel der Befragten waren selten in ambulanter oder stationärer Krankenhaus-behandlung und rund ein Drittel hat selten mobile Dienste in Anspruch genommen. Befragte des Bezirkes Voitsberg nutzten mit 10% etwas häufiger das Angebot von Beratungsstellen als jene aus dem Bezirk Graz Umgebung. Fachärzte wurden am häufigsten von Männern (5% selten) des Bezirkes Graz Umgebung aufgesucht. Wenn jedoch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird, fühlt sich die Mehrheit der  Befragten in ihrer Meinung ernstgenommen und hat das Gefühl, dass der Arzt oder die Ärztin sich Zeit nimmt um zuzuhören. Entscheidungen für die Behandlung werden in knapp drei Viertel der Fälle gemeinsam mit den ExpertInnen getroffen.

AnsprechpartnerInnen im Laiensystem bei Erkrankungen oder gesundheitlichen Problemen sind für Männer in erster Linie (70%) die Partnerin sowie für rund ein Viertel der Männer aus Graz Umgebung und ein Drittel der Männer aus dem Bezirk Voitsberg auch die Kinder. Frauen wenden sich hingegen wesentlich seltener an ihren Partner (40%-46%), wählen dafür aber häufiger ihre Kinder (47%-58%) als Gesprächspartner. Geschwister oder Verwandte werden nur sehr selten bei Erkrankungen kontaktiert, Frauen wenden sich jedoch etwas häufiger als Männer an diese Personen. Im professionellen System ist der Arzt bzw. die Ärztin eindeutig die Ansprechperson, wenn es um Erkrankungen geht. Die Unterschiede im Inanspruchnahmeverhalten sind hier aber auffällig: 65% der Männer und 52% der Frauen aus Graz Umgebung sowie 44% der Männer und nur mehr 35% der Frauen des Bezirkes Voitsberg wenden sich im Krankheitsfall oder bei gesundheitlichen Problemen an ihren Arzt bzw. ihre Ärztin. Die doch geringe Inanspruchnahme von Arzt bzw. Ärztin bei den Befragten des Bezirkes Voitsberg könnte eventuell mit der ärztlichen Versorgung des recht ländlichen Gebietes zusammenhängen.

Rund 60% der Männer und 80% der befragten Frauen nehmen regelmäßig Medikamente ein, der tägliche Durchschnittsbedarf (zwischen drei und vier verschiedene Medikamente) liegt dabei im Bezirk Voitsberg etwas höher als im Raum Graz Umgebung. Bei Bedarf nehmen über 85% der Befragten Medikamente zu sich. Über die Wirkung der Medikamente fühlen sich über 90% ausreichend informiert und bei rund der Hälfte der Befragten nehmen im allgemeinen die Beschwerden nach Einnahme der Medikamente auch ab. Über Nebenwirkungen berichteten am häufigsten Frauen aus dem Bezirk Voitsberg. Knapp ein Fünftel dieser Frauen fühlen sich durch die Medikamenten-einnahme sogar sehr bzw. ziemlich belastet. Befragte aus dem Raum Graz Umgebung nannten häufiger (63%-67%) gar nicht durch Medikamente belastet zu sein als jene aus dem Bezirk Voitsberg (54%-59%).

Zu Fragen über einen gesundheitsbewussten Lebensstil berichteten die Befragten über ihre Vorstellungen zu gesunder Ernährung, körperlicher Aktivität und Alkoholkonsum. Gesunde Ernährung wird mehrheitlich mit viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch und einer ausgewogenen Kost assoziiert. Vollkornprodukte, saisonale Produkte sowie wenig Fett, Zucker und Salz  und vermehrtes Trinken sind dabei kaum ein Thema. Über vier Fünftel der Befragten ernähren sich auch gemäß ihren Vorstellungen von gesunder Ernährung. Rund ein Fünftel der befragten Frauen nehmen ihre Hauptmahlzeit alleine zu sich und müssen auf Gesellschaft beim Essen verzichten, bei den Männern sind das deutlich weniger.  Zwischen 86% und 90% der Männer und rund drei Viertel der Frauen nehmen ihre Hauptmahlzeit in der Familie oder mit der Partnerin bzw. dem Partner ein.

Nach mehrheitlicher Vorstellung der Befragten (80%-85%) sollte man täglich körperlich aktiv sein, im Sinne von spazieren, wandern, Rad fahren etc.. Das entspricht auch tatsächlich annähernd der körperlichen Aktivität unserer Zielgruppe. Zwischen 72% und 84% sind täglich aktiv, wobei die Befragten aus dem Bezirk Graz Umgebung die etwas Aktiveren sind und 12% bis 18% bewegen sich  immerhin ein bis dreimal in der Woche. In mehr als der Hälfte der Fälle ist die körperliche Aktivität in den Alltag integriert bzw. geschieht aus Gewohnheit. Aus Gründen der Entspannung und dem persönlichen Wohlbefinden werden, mit Ausnahme der Männer des Bezirkes Voitsberg (43%), rund die Hälfte der übrigen Befragten körperlich aktiv. Als ein weiteres Motiv gilt häufig die körperliche Fitness, die den Männern aus dem Raum Graz Umgebung (53%) am wichtigsten ist, gefolgt von den Frauen (41%) dieses Bezirkes.  Im Bezirk Voitsberg nimmt das Interesse an körperlicher Fitness kontinuierlich ab, 38% der Männer und 34% der Frauen bewegen sich aus diesem Grund. Spiel und Spaß sowie die Geselligkeit stehen als Motiv eher im Hintergrund.

Nachdem eine gewisse Menge Alkohol am Tag im allgemeinen als gesundheitsfördernd angesehen wird, wurde unsere Stichprobe nach ihrer Norm gefragt. Ein Drittel der Frauen aus dem Voitsberger Raum, ein Viertel der Frauen aus dem Bezirk Graz Umgebung sowie 18% der Männer beider Bezirke sagen, dass keinen Alkohol zu trinken am gesundheits-förderndsten wäre. Frauen empfehlen grundsätzlich geringere tägliche Mengen an Alkohol als Männer. Knapp die Hälfte der Frauen, die täglich Alkohol empfehlen,  nennen ein Achtel Wein als zuträgliche Menge. Bei den Männern geben wiederum jene aus dem Bezirk Voitsberg großzügigere Mengen an als jene aus dem Raum Graz Umgebung. Die Angaben bewegen sich zwischen ein bis zwei Achtel Wein und ein bis zwei Krügerl Bier pro Tag. Gehandelt bzw. getrunken wird dann in den meisten Fällen (80%-85%) entsprechend der angegebenen täglichen Alkoholmenge. 16% der Befragten aus dem Bezirk Voitsberg konsumieren jedoch mehr Alkohol am Tag, als sie empfehlen können, im Bezirk Graz Umgebung sind es rund 12% der Befragten. In welchen Situationen wird nun Alkohol konsumiert? Feiern, Feste und geselliges Beisammensein sind vor allem der geeignete Rahmen für Frauen (rund 68%) Alkohol zu trinken. Für rund 61% der Männer aus dem Bezirk Graz Umgebung und 56% der Männer aus dem Bezirk Voitsberg sind das ebenfalls  Anlässe Alkohol zu trinken. Zu den Mahlzeiten halten sich die Frauen wieder etwas zurück, rund ein Drittel trinkt hier Alkohol im Vergleich zu rund 46% der Männer. Ein weiterer beliebter Ort, Alkohol zu konsumieren ist vor allem bei den Männern das Gasthaus. Knapp ein Fünftel der Männer konsumieren in diesem Rahmen Alkohol, bei den Frauen sind das maximal 15% der Befragten.

Wie in anderen nationalen Studien bestätigt, sind auch in diesen Bezirken ein Großteil der älteren Menschen NichtraucherInnen oder ExraucherInnen. Der RaucherInnenanteil beträgt 13% bei den Männern, 11% bei den Frauen aus Graz Umgebung und nur 6% bei den Frauen des Bezirkes Voitsberg. Zwischen 40% und 46% der Männer sind allerdings Exraucher. Der relativ geringe Anteil der Raucher und Raucherinnen raucht im allgemeinen regelmäßig im Tagesablauf. Für rund ein Fünftel ist das gesellige Beisammensein Anlass zu rauchen. Frauen rauchen vermehrt nach den Mahlzeiten oder zum Kaffee eine Zigarette. 17% der Männer aus dem Bezirk Graz Umgebung zählen  sich zu den Kettenrauchern.

Belastungen, die es im täglichen Leben zu moderieren gilt, werden vermehrt von Frauen genannt. Ein Fünftel der Frauen aus dem Bezirk Voitsberg gibt am häufigsten an, häufig belastet zu sein und ein knappes Drittel der Frauen beider Bezirke fühlt sich gelegentlich belastet. Männer fühlen sich im Vergleich dazu wesentlich seltener belastet, rund die Hälfte fühlt sich sogar nie belastet. Zwischen ein Fünftel und ein Viertel der Frauen fühlen sich vor allem durch den Haushalt und verschiedene Konflikte belastet. Auch die Betreuung der Enkelkinder oder von Angehörigen führt bei rund 6% der Frauen zu Belastungen. Die Mehrheit der Befragten (49%-62%) ist allerdings durch andere, nicht explizit genannte Faktoren, belastet.

Wie werden nun Belastungen bewältigt? Eine häufige Coping-Strategie liegt in der sozialen Bewältigung, in Form von Gesprächen. Zwischen 38% und 45% der Frauen bevorzugen diese Form der Bewältigung, bei den Männern wählen ein knappes Drittel diese Strategie. Ein Viertel der Männer und ein Fünftel der Frauen aus dem Bezirk Graz Umgebung versuchen etwas häufiger als Befragte aus dem Raum Voitsberg, durch körperliche Betätigung ihre Belastungen abzubauen. Gut die Hälfte der Befragten hat jedoch andere, persönliche Bewältigungsstrategien.

Mit ihrem Lebensstil sind rund drei Viertel der befragten Personen zufrieden. Nach Veränderung streben am häufigsten Frauen aus dem Bezirk Voitsberg, wobei diese auch die größte Gruppe der Unentschlossenen darstellt. D.h. ein Fünftel dieser Frauen möchten "eher schon" etwas verändern, sind aber noch nicht endgültig dazu bereit. Einen echten Entschluss, ihr Verhalten zu ändern, haben hingegen 12% der Befragten aus dem Bezirk Graz Umgebung und rund 7% der Befragten aus dem Bezirk Voitsberg gefasst.

Verhaltensänderungen werden in erster Linie im Ernährungs- und Bewegungsbereich sowie im Rauchverhalten angestrebt. Über die Hälfte der Frauen aus dem Bezirk Voitsberg möchte verstärkt gegenüber der übrigen Befragten (35%-44%) ihr Bewegungsverhalten ändern. 42% der Männer aus dem Bezirk Voitsberg liegt im Gegensatz zu 28% der übrigen Männer und Frauen, eine Veränderung der Ernährung besonders am Herzen. Veränderung im Rauchverhalten streben 13% bis 17% der Befragten an, bei den Frauen des Bezirkes Voitsberg sind es entsprechend dem geringen Raucherinnenanteil weniger (5%). Für die Voitsberger Frauen sind dafür Veränderungen im Bereich der Belastungen und im Umgang bzw. Konsum von Medikamenten von Bedeutung.

Über Gesundheit zu kommunizieren hat in der Gesundheitsförderung einen wichtigen Stellenwert. Es wird dadurch nicht nur Beziehungs- und Unterstützungsarbeit geleistet sondern auch Bewusstseinbildung betrieben. Frauen sprechen häufiger über verschiedene Gesundheitsthemen als Männer. Rund ein Fünftel der Frauen in unseren Bezirken sprechen häufig über Gesundheit und gut die Hälfte aller befragten Männer und Frauen reden gelegentlich über Themen zur Gesundheit. Die am häufigsten genannten Gesundheitsthemen sind die Ernährung, die Bewegung sowie andere Themen, aber auch Medikamente und Belastungen spielen in den Gesprächen und hier vor allem bei den Frauen des Bezirkes Voitsberg eine Rolle. Es handelt sich also hauptsächlich um Themenbereiche in denen auch vermehrt eine Verhaltensänderung angestrebt wird. Zwischen 63% und 70% der Männer, ziehen dabei am häufigsten ihre Partnerin ins Vertrauen, aber auch innerhalb der Familie spricht gut die Hälfte der Männer über Gesundheit. Frauen finden jedoch nur zu einem Drittel in ihrem Partner eine Ansprechperson in Sachen Gesundheit. Zwischen 63% und 68% der Frauen finden in der Familie geeignete Kommunikationspartner. Für gut die Hälfte der Befragten aus dem Bezirk Graz Umgebung sind Freunde und auch Bekannte wichtige Gesprächspartner, wenn es um die Gesundheit geht. Im Bezirk Voitsberg sprechen hingegen etwas weniger (35%-45%) unserer Zielgruppe mit ihren Freunden und Bekannten über Gesundheitsthemen. NachbarInnen sind für die Frauen als GesprächspartnerInnen ebenfalls von Bedeutung, 38% bis 45% tauschen sich mit ihren Nachbarn zum Thema Gesundheit aus. Nachdem es sich um allgemeine Gesprächsthemen zur Gesundheit handelt, ist der Arzt oder die Ärztin von geringerer Bedeutung. 29% der Männer aus dem Bezirk Voitsberg und rund ein Fünftel der übrigen Befragten, wenden sich an die ExpertInnen.

Die Bekanntheit bestehender Gesundheits-angebote in den Gemeinden der beiden Bezirke, ist relativ hoch. Verschiedene Angebote der Vereine, Kurse und Workshops sowie allgemeine Gesundheitsvorträge sind über 80% der Befragten bekannt und von medizinischen Vorträgen wissen rund 70%. Das Wissen um dieses Angebot, schließt jedoch eine Inanspruchnahme nicht automatisch ein. Denn nur rund ein Viertel der Befragten nimmt das Vereinsangebot in Anspruch und auch die übrigen Angebote werden von weniger als einem Fünftel der Befragten angenommen. Befragte aus dem Bezirk Graz Ungebung nehmen im allgemeinen bestehende Angebote etwas häufiger in Anspruch als jene aus dem Bezirk Voitsberg.

Nachdem die Inanspruchnahme des Gesundheitsangebotes schon eher niedrig ist, ist auch die aktive Partizipation an Gesundheits-angeboten, im Sinne einer Mitarbeit oder organisatorischen Funktion, eher gering. Zwischen sechs und neun Prozent engagieren sich aktiv in Vereinen und zwischen drei und sieben Prozent der Befragten sind in anderen Bereichen tätig, alle übrigen Männer und Frauen arbeiten nirgends mit.

Im Gegensatz zur aktiven Partizipation steht die passive Partizipation, die im Konsumieren von Angeboten und im Besuch von öffentlichen Einrichtungen liegt. Befragte aus dem Bezirk Graz Umgebung besuchen häufiger Kaffeehäuser oder Gasthäuser als Befragte des Bezirkes Voitsberg, wobei die Frauen des Bezirkes Voitsberg am seltensten in diesen Einrichtung zu treffen sind. Ungefähr die Hälfte der Befragten nimmt selten an kirchlichen Veranstaltungen teil und kulturelle Veranstaltungen oder Vorträge werden ebenfalls nur selten und dabei von weniger als 40% der Befragten besucht. Auf Festen sind vermehrt Männer zu finden (knapp 60%), bei den Frauen geht über die Hälfte der Befragten nie auf ein Fest und nur selten nehmen rund ein Drittel der Männer und Frauen des Bezirkes Graz Umgebung sowie weniger als ein Fünftel der Befragten des Bezirkes Voitsberg, das kulturelle Angebot eines Kinos oder Theaters in Anspruch.

Inwieweit nimmt die befragte Bevölkerungs-gruppe nun an verschiedenen Gruppen oder Kursen teil? Auch hier zeigt sich, dass die Partizipation eher gering ist. Befragte aus dem Bezirk Graz Umgebung nehmen häufiger am Angebot teil als jene aus der Region Voitsberg. Am häufigsten werden Angebote der Pfarren und hier vor allem durch Befragte aus der Region Graz Umgebung (61%-67%) angenommen, im Bezirk Voitsberg folgen rund 40% der Befragten diesen Angeboten. Vereinsangebote spielen neben kirchlichen Aktivitäten auch noch eine wichtige Rolle. Männer (43%-50%) sind dabei häufiger als Frauen (36%-38%) ins Vereinsleben integriert. Kartenrunden und verschiedene Sportgruppen sind ebenfalls von  Bedeutung, wenn auch die aktive Teilnahme nur mehr zwischen 10% und 20% liegt. Hobbykurse, sowie Musik- und Theatergruppen werden von weniger als 10% der Befragten besucht. Knapp 30% unserer Zielgruppe nimmt nirgends teil.

Ein Fünftel der Männer und rund 15% der Frauen sind besonders initiativ und organisieren die oben genannten Gruppen. Die Mehrheit der Befragten ist mit dem bestehenden Gesundheitsangebot zufrieden, rund 30% der Männer und Frauen aus dem Bezirk Voitsberg und 15% aus dem Bezirk Graz Umgebung haben jedoch zusätzliche Wünsche.

Individuelle Gesundheitspotentiale

Die Ergebnisse zu den individuellen Gesundheitspotentialen zeigen, dass sich Befragte des Bezirkes Graz Umgebung insgesamt widerstandsfähiger einschätzen. 60% der Befragten  fühlen  sich hingegen  der Hälfte der Befragten aus dem Bezirk Voitsberg überhaupt nicht durch gesundheitliche Probleme in ihrem Alltag beeinträchtigt. Am häufigsten fühlen sich Frauen aus dem Bezirk Voitsberg beeinträchtig, sie waren auch im Vergleich zum bisherigen Leben im vergangenen Jahr häufiger erkrankt als andere. Diese Gruppe glaubt auch häufiger als die übrigen Befragten, krankheitsanfälliger als Gleichaltrige zu sein.

Die internalen und externalen Kontroll-überzeugungen sind insgesamt recht stark ausgeprägt. Gesundheit und Krankheit hängen demnach für die Befragten einerseits von nicht beeinflussbaren Faktoren, andererseits aber auch von kontrollierbaren Faktoren ab. Frauen denken häufiger als Männer, dass ihre Gesundheit vom Schicksal abhängt.  Männer wiederum sind häufiger der Meinung, Gesundheit und Krankheit, durch ihr Verhalten oder mittels der Medizin beeinflussen zu können. Eine positive Korrelation zeigt sich zwischen persönlicher Kontrolle und funktionaler sowie subjektiver Gesundheit. Befragte mit hoher internaler Kontrollüberzeugung leiden eindeutig seltener an gesundheitlichen Beschwerden und schätzen ihren Gesundheitszustand besser ein, als jene mit schwach ausgeprägter internaler Kontrollüberzeugung.

Die körperliche Fitness, als weitere bedeutende Ressource und Zeichen der körperlichen Vitalität, ist bei den befragten Männer deutlich besser als bei den Frauen. Es zeigen sich jedoch auch eindeutige Unterschiede zwischen den Männern der beiden Bezirke. Männer des Bezirkes Graz Umgebung sind deutliche leistungsfähiger, 70% haben keine Schwierigkeiten mehrere Stiegen zu steigen, 41% sind in Lage uneingeschränkt körperliche Arbeit zu verrichten und 55% haben keine Probleme einen Tag lang zu wandern. Die größten Schwierigkeiten haben gut ein Drittel der Frauen, aber auch ein Viertel der Männer, wenn sie mehrere Stunden wandern müssten. Auch schwere körperliche Arbeit kann von einem Fünftel der Frauen und Männer aus dem Bezirk Graz Umgebung und von rund 30% der Frauen sowie 24% der Männer aus dem Raum Voitsberg nicht mehr geleistet werden.

Ein wichtiger Indikator für das psychische Wohlbefinden ist die Lebenszufriedenheit, die im Bezirk Graz Umgebung etwas höher ist als im Bezirk Voitsberg und auch zwischen Männern und Frauen differenziert. Männer sind zufriedener mit ihrem Leben als Frauen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Lebenszufriedenheit ebenfalls geringfügig ab. Mit besserem Einkommen und subjektiv besserer finanzieller Lage steigt die Lebenszufriedenheit in allen Gruppen deutlich an. Auch ein guter Gesundheitszustand trägt verständlicherweise zu einer höheren Lebenszufriedenheit bei und ein großes soziales Netz lässt ebenfalls die Zufriedenheit steigen. Auffallend ist, dass besonders Frauen aus dem Raum Voitsberg die geringste Lebenszufriedenheit haben und durch einen niedrigen sozioökonomischen Status, schlechte Gesundheit und durch ein kleines soziales Netz am stärksten benachteiligt sind.

Dementsprechend ist auch der Selbstwert der Frauen aus dem Voitsberger Raum schlechter ausgebildet als bei den übrigen Befragten. Insgesamt ist das Selbstwertgefühl jedoch recht gut ausgeprägt und zeigt wieder die Differenzen zwischen den Bezirken und Geschlechtern, wie bei der Lebenszufriedenheit. Mit zunehmendem Alter bleibt der Selbstwert unserer Zielgruppe aber relativ stabil. Ein höhere sozialer Status, ein besserer Gesundheitszustand und ein stärkeres soziales Netz führen ebenfalls zu einem verbesserten Selbstwertgefühl.

Generell ist ein Trend feststellbar, wonach höhere soziale Schichten besser mit individuellen Gesundheitspotentialen ausgestattet sind.

Soziostrukturelle Gesundheitschancen

Die Bedeutung informeller und formeller sozialer Netze wurde in zahlreichen Studien untersucht. Tesch-Römer et al. (2002) zeigen auf, dass eine wohlfahrtsstaatliche Infrastruktur mit der Bedeutung des familialen Netzes für die Lebensqualität im Alter interagiert. In hochentwickelten Wohlfahrtsstaaten mit sehr guter Infrastruktur von Hilfs- und Unterstützungsdiensten, wie z.B. Norwegen, nimmt die Bedeutung der familialen Netzwerke ab. Im Vergleich dazu ist in Deutschland, wo die Infrastruktur formeller Hilfs- und Unterstützungs-dienste erst seit kurzem flächendeckend existiert, das informelle Netz von großer Bedeutung.

Nachdem unsere  wohlfahrtsstaatliche Infrastruktur mit Deutschland vergleichbar ist, zeigt sich auch in dieser Untersuchung die große Bedeutung informeller sozialer Netze. Es ist zu beobachten, dass regelmäßige Kontakte der untersuchten Zielgruppe wesentlich häufiger im informellen Netz passieren als im formellen. Die engere Familie (PartnerInnen, Kinder, Enkelkinder) aber auch die Nachbarschaft, Freunde und Bekannte spielen eine bedeutende Rolle. Befragte des Bezirkes Voitsberg und hier verstärkt die Frauen, haben dabei verhältnismäßig weniger regelmäßige Kontakte als jene aus dem Bezirk Graz Umgebung. Knapp 90% der Männer beider Bezirke haben im Vergleich zu den Frauen (65%) die häufigsten Kontakte zu ihren PartnerInnen. Ein hoher Anteil der Befragten (83%-90%) pflegt regelmäßige Kontakte zu ihren Kindern.

Die Qualität dieser Beziehungen kann nicht exakt beurteilt werden. Also inwiefern positive Aspekte der Unterstützung gegenüber negativen Aspekten, wie Konflikte und Bevormundung überwiegen.

Nachdem bei instrumenteller Unterstützung und emotionaler Unterstützung sowie erwarteter  Pflegeleistungen,  als Bezugsperson mehrheitlich die PartnerInnen und Kinder genannt wurden, ist anzunehmen, dass die Qualität dieser Beziehungen grundsätzlich recht gut ist und diese von einem starken Vertrauen geprägt sind. Pflegeleistungen seitens der Kindergeneration, vor allem der Töchter oder Schwiegertöchter sind aber bei uns im ländlichen Raum gesellschaftstypisch und werden daher häufig erwartet.

Auffallend ist, dass Frauen deutlich seltener (35%-40%) im Vergleich zu den Männern (50%-70%), bei psychischen oder gesundheitlichen Problemen ihre PartnerInnen ansprechen. Frauen (38%-57%) wenden sich in diesen Angelegenheiten häufiger an ihre Kinder als Männer (21%-41%). Freunde und Geschwister haben als Kommunikations-partnerInnen bei psychischen Problemen für Frauen (18%-23%) ebenfalls eine gewisse Bedeutung. Enkelkinder, Geschwister, Verwandte, Nachbarn und KollegInnen spielen in der instrumentellen und emotionalen Unterstützung nur eine untergeordnete bzw. gar keine Rolle.

Regelmäßige Kontakte im formellen Netz sind vergleichsweise wesentlich seltner als im informellen Netz. Ein gutes Fünftel der Männer hält im Gegensatz zu nur 10% der Frauen, regelmäßig Kontakt zu einem Verein. Ein Fünftel der Männer des Bezirkes Voitsberg und rund 17% der Frauen sind regelmäßig in der Kirche bzw. Pfarre engagiert und 10% der Männer aus der Region Voitsberg haben auch regelmäßig mit der Gemeinde zu tun. Gesundheitsexperten wie Arzt und Ärztin werden von 14% bis 19% der Befragten regelmäßig kontaktiert und 8% der Frauen des Bezirkes Voitsberg suchen regelmäßig eine Apotheke auf.

Bei psychischen Problemen wenden sich nicht einmal fünf Prozent der Befragten an VertreterInnen des formellen sozialen Netzes. Am häufigsten werden bei diesen Problemen ÄrztInnen von zwei bis vier Prozent der befragten Männer und Frauen kontaktiert. Bei gesundheitlichen Problemen haben die ÄrztInnen jedoch einen hohen Stellenwert. Befragte aus dem Raum Graz Ungebung (67%-78%) wenden sich etwas häufiger an ihren Arzt bzw. ihre Ärztin als jene aus dem Bezirk Voitsberg (63%-71%). Betreuung bei Pflegebedürftigkeit durch professionelle Pflegedienste erwarten sich 30% der Männer und 39% der Frauen aus dem Bezirk Graz Umgebung sowie 29% der Frauen und 26% der Männer aus dem Bezirk Voitsberg.

Der Austausch von sozialen Unterstützungsleistungen (Reziprozität) ist in diesen sozialen Beziehungen mehrheitlich ausgewogen. Ein gutes Viertel der Frauen und rund 17% der Männer haben jedoch das Gefühl mehr Unterstützung zu geben als zu erhalten.

Die Unterstützung, das Vertrauen, die Sicherheit und auch die Gerechtigkeit, die die soziale Qualität in den Gemeinden aber auch in Österreich ausmachen wurde insgesamt recht positiv beurteilt, wobei die soziale Qualität in den Gemeinden besser beurteilt wird als in Österreich. Zwischen den beiden Bezirken gibt es so gut wie keine Unterschiede. Das weist darauf hin, dass unsere Zielgruppe im allgemeinen mit dem Gemeindeleben relativ zufrieden ist und sich sicher und wohl fühlt, aber sich auch im Land Österreich relativ gerecht behandelt und gut versorgt fühlt.

Schlussfolgerungen

Ausgehend von der hier durchgeführten Gesundheitsdiagnose lassen sich folgende Schlüsse  für ältere Menschen  in der Gesundheitsförderung  ziehen:

Nachdem es zwischen den beiden Bezirken und Geschlechtern bedeutende Unterschiede an wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ressourcen gibt, wirkt sich diese Tatsache auf verschiedenen Ebenen der Lebens- und Gesundheitspotentiale aus.

Eine bedarfs- und bedürfnisgerechte, wirksame Gesundheitsförderung für die Zielgruppe der 60 bis 74jährigen in unseren beiden Regionen muss daher an Determinanten der Lebens- und Gesundheitschancen, an ihren Lebens- und Gesundheitskompetenzen und an der gesundheitlichen Versorgungsqualität der Medizin, der Pflege und ihren verwandten Diensten  sowie am Laiensystem ansetzen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt es auf die Gruppe der befragten Frauen aus dem Bezirk Voitsberg zu richten. In dieser Gruppe ist der größte Anteil der Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status zu finden, Frauen dieser Gruppe leben, neben den Frauen aus der Region Graz Umgebung, am häufigsten alleine und sind auch am häufigsten verwitwet. Wesentlich ist auch, dass sich diese Frauen subjektiv in ihrer sozialen Lage benachteiligt fühlen und häufig von ihren Partnern finanziell abhängig sind. Diese Benachteiligung spiegelt sich  in generell schlechterer Gesundheit, in den vermehrten psychovegetativen Beschwerden, in der verminderten Inanspruchnahme des professionellen Versorgungssystems, sowie der Unzufriedenheit über den Umgang, die Einnahme und den Wirkungen von Medikamenten wider. Häufige Belastungen, resultierend aus Konflikten, Überforderungen im Haushalt und in der Betreuung von Enkelkindern und Angehörigen, kleinere und weniger differenzierte informelle Netze  sowie geringere aktive und passive Partizipation an Gesundheitsangeboten und Einrichtungen, deuten auf einen massiven Handlungsbedarf hin. Diese Gruppe ist auch verhältnismäßig schlechter mit individuellen Gesundheitspotentialen, wie einer guten internalen Kontrollüberzeugung, einer hohen Lebenszufriedenheit und gutem Selbstwert sowie erhöhter Widerstandsfähigkeit ausgestattet.

Im Vergleich dazu haben Männer in vielerlei Hinsicht bessere Grundvoraussetzungen für eine gute Gesundheit. Eine höhere Schulbildung und häufig beruflich bessere Positionen führen in vielen Fällen auch zu höheren Pensionen und dem subjektiven Gefühl, finanziell nicht benachteiligt oder abhängig zu sein. Daraus resultieren ein durchwegs besserer Gesundheitszustand, weniger gesundheitliche Beschwerden und Einschrän-kungen. Obwohl Männer einen verhältnismäßig weniger gesundheitsfördernden Lebensstil pflegen als Frauen, mit Ausnahme der körperlichen Aktivität, sind sie weniger belastet und leistungsfähiger. Den sozialen Rückhalt und Ansprechpartner bei gesundheitlichen Problemen finden sie vor allem in der Partnerin, wenden sich aber sonst vermehrt an die ExpertInnen. Männer partizipieren und engagieren sich insgesamt häufiger an Gesundheitsangeboten und in verschiedenen Einrichtungen, wie Vereinen, Kirche und Gemeinde als Frauen. Auch in ihren individuellen Gesundheitspotentialen fühlen sich Männer dieser Generation besser ausgestattet. Sie leben selbstbewusster und zufriedener und verfügen daher über höhere Bewältigungsressourcen.

Grundsätzliche Strategien wie eine bessere Vernetzung von ärztlicher Versorgung, Pflege- und Hilfsdiensten verschiedener sozialer und kirchlicher Träger, kommunaler Einrichtungen und gemeinnütziger Vereine aber auch der sehr bedeutenden Laienarbeit sollten verstärkt zum Einsatz kommen. Es wäre zudem nützlich den Zugang und die Qualität der medizinischen Versorgung in Teilgebieten unserer Regionen zu erleichtern und weiterzuverbessern. Vor allem für Frauen, die aus dem familialen Netz fallen, müssen  Maßnahmen gegen die Linderung von Einsamkeit gesetzt werden. Bei all jenen Frauen, die  durch die Familienarbeit belastet sind, sollten entlastende Unterstützungsressourcen mobilisiert werden. 

Nachdem auch gesundheitsbelastende Verhaltensgewohnheiten in den Lebenswelten unserer Zielgruppe festen Bestand haben, gilt es weiters Maßnahmen, die die Aktivierung und Stärkung der Handlungskompetenzen und Selbstverantwortung der Betroffenen ermöglichen, zu verfolgen. Parallel dazu wird es notwendig sein, die Informations-, Beratungs- und Lernangebote, vorerst sicherlich im niederschwelligen Bereich, für unsere Zielgruppe aufzubauen bzw. diese zu verbessern und weiterzuentwickeln.

In der Planung der Interventionsmaßnahmen gilt es verstärkt, auf die oben beschriebenen geschlechts- aber auch bezirksspezifischen Unterschiede Rücksicht zu nehmen.

Im Rahmen dieses Projektes sicherlich nur bedingt möglich, jedoch aus gesundheitsfördernder Sicht wesentlich, wären gezielte Strategien zur Minderung von Armut und wirtschaftlicher Not von stark benachteiligten Personen.